Im Barbershop von nebenan

Wie die Zeit vergeht dachte ich mir, als ich eines Tages in den Spiegel schaute. Aus dem 3-Tagesbärtchen wurde ein 14-Tagesbart. Und so nach über einem Monat ohne Rasieren entschied ich mich, den Barthaaren den Kampf anzusagen. Ich will die Barthaare weg haben.

Einen Blick ins Necessaire verriet mir, dass ich das benötigte Werkzeug, also einen Elektrorasierapparat nicht mit dabei hatte. Für eine Nassrasur wie zu Hause hätte ich alle Sachen dabei. Da aber meine Barthaare mittlerweile schon ziemlich lang waren, bevorzugte ich, den gewünschten 'Haarschnitt' professionell machen zu lassen. Also machte ich mich auf den Weg zu einem Barbershop, zu einem kleinen Salon, mit ein zwei Stühlen drin und einen langen Spiegel.

Beim Barbershop angekommen war der eine Stuhl bereits von einem Klienten besetzt. Der andere war frei. Der Kunde liess sich die Haare schneiden. Ah, man kann sich also bei einem solchen Shop auch die Haare schneiden lassen, nicht nur die Barthaare. Das wusste ich nicht. Der zweite Angestellte, welcher auf Kundschaft wartete, putzte sich im Barbershop die Zähne. Als er damit fertig war fragte er mich, was ich möchte. Ich sagte ihm mein Vorhaben, d. h. weg mit dem Bart. Er sagte, ok gerne, nehmen Sie Platz. Bevor ich mich setzte, fragte ich den zu bezahlenden Preis. 30 Rupien. Das sind 60 Rappen.

Ich setzte mich auf den Lederstuhl, lehnte mich ein wenig zurück und liess mich vom Barber bedienen. Er nahm zuerst die Schere und schnitt die langen Barthaare zurück. Dann kam er mit dem Schaum und schäumte mein Gesicht lange und intensiv ein. Mein Gesicht war nun weiss.

Dann kam der eigentliche interessante Akt beim Barbor.

Er nahm eine Klinge, eine Neue, hoffte ich zu diesem Zeitpunkt. Und er begann nun mit der guten langen scharfen Klinge die Barthaare zu entfernen. Zuerst bei den Wangen, dann am Hals, Kinn und unterhalb der Lippen.

Und oberhalb der Lippen, dachte ich mir? Was war mit dem Schnauz? Nö, da wartete der Barber noch. Er fragte mich, ob er diese Barthaare wirklich schneiden soll. Eine berechtigte Frage, für ihn. Denn 99 % der Inder tragen einen Schnauz. Nach einem prüfenden Blick in den Spiegel, sagte ich ihm. Bitte, auch diese müssen weg. Mein Name ist Sandro, und doch nicht Borat, dachte ich mir.

Der Barber entfernte gekonnt auch noch diese Haare mit seiner megascharfen Klinge. Dann spritzte er mir Wasser ins Gesicht, seifte mich ein und trocknete anschliessend mein Gesicht mit einem kleinen Frottiertuch ab. Es war nicht ein neues Frottiertuch. Das sah ich. Nein, mit diesem Tuch hatte der Barbor heute mit Sicherheit schon 5 Gesichter getrocknet. Nun, that's India, incredible India. Und für umgerechnet 60 Rappen kannst du nicht alles haben. Zuguterletzt gab es aus einem Sprayer, mit welchem wir normalerweise Pflanzen besprühen, noch etwas Aftershave. Und fertig war es. Meine erste Rasur im Barborshop. Made in India.

Filed Under: DelhiIndien

Tags:

Über den Autor: Hallo! Ich bin der 2. Reisefreek und heisse Sandro. Auch ich bin seit Oktober 2011 auf Weltreise. Autor des Reiseblogs der Reisefreeks.

RSSComments (1)

Antwort hinterlassen | Trackback URL

  1. meixner sabine says:

    oh Sandro,war er fertig bei dir mit Haare schneiden? bitte nicht-aber lustig

Kommentar abgeben